Fünf Steirer - Cruising the Shannon

Logbuch Mai 2005

Dienstag, 24. Mai 2005

9.00

Regen! Sepp bunkert Wasser, alle plagt eine leichte After-Party-Flaute. Ziel des Tages: vorerst Enniskillen. Wir nehmen die kurze Route, vorbei an Sir Earl Seppis Crichton Tower. Nach äußerst beschaulicher Fahrt (es hat einfach nur geregnet…) passieren wir die Nordirische Grenze und Zahlmeister Yves stellt die Währung um. Echte, unerschrockene Iren betreiben bei strömendem Regen Wassersport, Seppi gibt ein Surprise-Konzert auf der Gitarre. Kurz vor Enniskillen reißt der Himmel auf, es wird plötzlich schön und Nordirland zeigt uns, wie es auch sein kann: grün, grün, grün - grüner als in "My fair Lady". Wunderschöne Häuser, wunderschöne Kühe, wunderschöne Schwäne und Schafe und Grün.

14.13

Ankunft Enniskillen, einkaufen im absoluten Mega-Super-Super-Erne Side Shopping Centre und plötzlich sind die Iren nicht mehr Iren sondern Engländer und sehen auch so aus. Das Problem, einen nordirischen Einkaufswagen vermittels einer nordirischen Münze (die wir nicht hatten) zu lösen ist nicht lange ein solches, denn Leichtmatrose Matschmann macht seinem Zweitnamen ("Rauba", zu deutsch "Räuber") alle Ehre und knackt es kurzerhand (technische Details werden nicht bekannt gegeben). Wir starten noch mal durch in Richtung Devenish Island und legen am Osthafen an. Die ganze Mannschaft holt sich kulturelle Impressionen, nur der Captain bleibt an Board. Der Smutje füttert hingebungsvoll die Schwäne mit unseren Brotvorräten und ist glücklich.

17.30

Auf der Suche nach Futter peilt der Captain Inishclare Harbour an, denn in der Karte ist hier ein großes, rotes Messer-Gabel-Symbol eingezeichnet. Er legt grandios r.k. am großzügigen, restauranteigenen Anleger an. Seppi sprintet hinauf zum eleganten Wintergartenvorbau, sieht schön gedeckte Tische, weiße Leinenservietten, edle Gläser und denkt kurz an seine Rosi, der das bestimmt gefallen hätte... Es ist aber leider "closed"! Dem Hungertod nahe raffen wir uns noch ein letztes Mal auf und steuern das nächste "Futterzeichen" auf der Karte an: Rossigh. Wieder "closed" - Verzweiflung macht sich breit. Ein rettender Engel in Gestalt eines ortsansässiges Arbeiters sagt das Zauberwort: "Manor House", der einzige Ort, an dem man was Ordentliches zwischen die Kiemen kriegen kann! Wir raffen uns also noch ein allerletztes Mal auf und legen buchstäblich mit letzter Kraft in der Marina von Manor House an. Es muss gesagt werden, dass man in dieser Marina als Normalsterblicher eigentlich nicht anlegen darf. Der Hunger und der imposante Anblick des Clubhauses kauft uns beinahe den letzten Schneid ab. (Außerdem ist unser Outfit eventuell auch nicht ganz standesgemäß für so ein Lokal…). Nur Yves spricht: "Scheißt's Eich net aun!" und betritt herrschaftlich das erhabene Gemäuer. Dafür sind wir ihm noch heute dankbar: Danke Yves! Vorbei an edelstem Club-Inventar werden wir ins Restaurant für Un-Golfer geleitet, bestellen bei einer Polin erstmal eine Runde Guinness und entspannen uns. Dann geht auch für die Raucher unter uns die Sonne auf: hier wird im Restaurant geraucht!!! Und fünf von sechs Seemännern sind glücklich. Als wir später vor prall gefüllten Tellern sitzen (weltklasse Steaks, ¾ Kilo Kartoffel pro Mann und Nase, drei Soßen, gebackene Zwiebelringe, erstklassiger Wein) und danach noch einen ordentlichen Whiskey bekommen, sind alle Widrigkeiten schnell vergessen. Mit prall gefüllten Bäuchen besteigen wir unsere Kojen.

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